Sonntag, 21. Juli 2019




Folge 13

Die Eröffnung ist ein rauschendes Fest. Im Museum und davor auf der Promenade. Tische und Stühle aufgebaut, Lampions, Musikanten,  wine and cheese Festival gleich mit aus der Taufe gehoben. Ich bin überall und erzähle und rede mit den Leuten und hab den Spaß meines Lebens. Eine Kollegin erzählt mir später, Vincenzo war auch mal kurz da, der sei alt geworden.  Ich soll froh sein, dass ich den los bin. Ich erinnere mich, ich muss mich um die Scheidung kümmern.
Ich besuche ihn und will nun wissen was los ist. Er will die Scheidung nicht, er will nur mich. Er liebt nur mich. Es tut ihm leid. Schmalz, Schmalz, Schmalz. Die Nachtigall ist bei Nacht und Nebel abgehauen. Schlaues Vögelchen. Ich will aber nicht mehr. Sein Hotel läuft schlecht. Die Kosten laufen ihm weg. Er ist mal wieder am Ende. Nur so, wie der aussieht zieht der keine wohlhabende Frau mehr an Land.
Ich ruf die Chefin an. Die hat das kommen sehen, aber ich sei ja unbelehrbar gutherzig. Sie kommt bald und wir suchen einen guten Scheidungsanwalt.
Scheidung auf Italienisch ist nicht einfach. Wenn einer der Mitspieler die Ehe nicht beenden will, gibt es ständig Aufschübe, Wartezeiten, es zieht sich wie Gummi, bzw. wie guter Pizzateig.

Nach einigen Jahren habe ich es geschafft. Nun geht es noch um das gemeinsame Vermögen. Das Hotel ist verschuldet bis über beide Ohren. Als ich wegging, war es noch nicht ganz so schlimm. Aber nun soll ich auch dafür haften, d.h. zahlen. Nix da. Ein weiterer juristischer Langzeitprozess nimmt seinen Lauf. Erst nach weiteren nervigen Jahren komme ich mit einem blauen Auge, ohne Gewinn oder Verlust aus der Nummer raus. Nur die Anwälte haben dabei gut verdient, es lebe der Vergleich. Ich lad die Chefin ein und wir lassen es richtig krachen. Das beste Restaurant ist uns und danach sitzen wir angetrunken und kichernd, wie die Teenager auf der Piazza. Die Leute aus Limone sehen mich nun in einem neuen Licht. Die Frauen so, die Männer anders.
Ich bewege mich nun aufs Rentenalter zu. Ich muss in Deutschland auch einen Antrag stellen. Zum Glück habe ich alle Unterlagen und es geht reibungslos. Ich gebe meine Kontonummer an und fertig. Mit Behörden hab ich jetzt auch so meine Erfahrung und bin froh, dass Deutschland nicht so kompliziert ist wie Italien. Ich war lange nicht mehr in der Heimat, was ist Heimat? Meine Eltern sind schon viele Jahre tot. Ich war dann immer kurz zur Beerdigung eingereist. Hab den jeweiligen Lebenspartnern versprochen bald mal wieder zu kommen, hat nie geklappt.
In Italien beantrage ich auch Rente, zumindest für meine Jahre beim Touristenbüro.
Da kommt ganz gut was zusammen und ich hab in den vergangenen Jahren gut sparen können, unter der Matratze, dass mein Ehemann nicht dran kommt. Meine Zukunft ist gesichert. Ende des Jahres höre ich auf. Dann wird gelebt. Die Chefin, jetzt verwitwet und steinreich hat mich auf eine Kreuzfahrt eingeladen, Karibik, klingt vielversprechend. Ich bin ja nirgends weiter hingekommen, jetzt geht’s los. Am 2.Januar fliegen wir nach Jamaika,, Große Welt, ich komme".
Silvester feiern wir im Restaurant Paradieso mit der berühmten Schauderterrasse. Das ist oberhalb des Sees, ca 600m über dem See. Eine Terrasse wie eine Sprungschanze auf den See hinaus gebaut. Schauderhaft. Zum Dinner und zur Party lade ich die Chefin ein und wir haben Spaß und freuen uns auf die Kreuzfahrt.
Um Mitternacht gehen wir raus auf die Plattform und betrachten das Feuerwerk von oben, wieder eine neue Perspektive. Wir machen Fotos von uns und mit Freunden.
Später lehnen, nur noch wir zwei, am Geländer und beteuern uns, dass wir schicksalsmäßig zusammengeschweißt wurden, wie Zwillinge. Freunde auf ewig, ohne Zickenkrieg. Frauenpower. Chacka.
Wir sind so übermütig und albern rum. Da will sie, dass ich mich auf das Geländer setzte und winke, wie von der Reling aus. Ich wuchte mich rittlings auf das Geländer und winke wie die Queen. Nochmal und nochmal, ne nochmal mit Blitz, neee Blitz ist nicht gut. Sie fingert an ihrer Kamera rum, in dieser Zeit schlenker ich kokett mit den Beinen und schwups verlier ich den Halt. Hintenüber stürze ich in die Nacht. 600 m,  viel Zeit das Leben an sich vorbeiziehen zu lassen.  Ich sehe meine Eltern, meine Großeltern, Tante und Onkel, Schulfreunde, Wolfgang, mein erstes Auto, dem Trachtenladen, Vincenzo und dann den Gardasee, da schlag ich auf und dunkel wird’s. Die armen Menschen die der Schlag trifft oder die U-Bahn, die können das gar nicht genießen. Ich denke gut nach. Eigentlich hatte ich ein schönes Leben, war aber noch gar nicht fertig damit, hatte noch viel vor. Blöd jetzt isses vorbei.
Als ich zu mir komme, denk ich, och, war gar nicht so schlimm. Hat gar nicht weh getan. Ich schaue an mir runter. Ich hab ein Dirndl an, aber nicht das von Silvesterabend. Es ist das 36er. Wie das jetzt? Ich schau mich um, ich bin im Touristenmuseum, in meinem Dirdl. Ich will raus, geht nicht, ich bin an dieses Dirndl gebunden, magisch oder so. Was ein Mist.
Nach Tagen, es wir hell und dunkel, hell und wieder dunkel, kommt meine Kollegin und sperrt das Museum auf. Die anderen Kollegen kommen auch und stehen fassungslos vor mir, meinem Dirndl. Sie sind erschüttert, man hat mich noch nicht gefunden, ha wie auch Leute, ich bin hier, hiiier. Aber keiner kann mich sehen, ich kann mich nicht bemerkbar machen. Sie reden mit meinem Dirndl als sei ich da, aber ich begreife, die reden mit einer Reliquie.
Meine letzte Hoffnung, wenn die meine Leiche finden, werde ich erlöst. Nix da, die finden mich, beerdigen mich und ich bin immer noch im Dirdl im Museum.
Liebe Touristen, wenn Sie zum Gardasee kommen, gehen Sie in das Touristenmuseum und erzählen Sie mir was. Mir ist sch....langweilig.



Das war eine fast frei erfundene Geschichte. Ähnlichkeiten mit bekannten Personen sind nicht beabsichtigt.
Über ein kurzes feedback zur Story würde ich mich freuen.
Vielleicht gibt es mal eine Fortsetzung.
Gruß und Kuß Cornelia Uta

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

  Mittwoch, 04.02.2026, Dahaaam, Wieder sind wir recht früh unterwegs. Das Hotel kann man wirklich empfehlen, das Frühstück war sehr abwechs...