Fahrendes Volk. Ich dachte immer die müssten schwarzhaarig sein.
Unsere holländischen Nachbarn sind blond, drall, laut, bunt, trinkfest.
An die Italiener hab ich mich gewöhnt. Die arbeiten tagsüber
nicht während der Mittagszeit. So ein faules Volk. Erst am Abend werden die
munter, wenn unsereins müdgeschafft ist. Abends ist der Teufel los in den
Gassen. Sogar die Kinder dürfen bis 10 oder 12 noch in den Straßen und auf den
Plätzen spielen. Kein Wunder dass aus denen nix wird. Die kriegen nix auf die
Reihe, deshalb arbeiten die auch in Deutschland als Gastarbeiter. Da lernen die
dann mal was Ordnung ist und Pünktlichkeit.
Unsere holländischen Nachbarn haben sich gut an die angepasst und
feiern auch jede Nacht, laut und ausdauernd. Wir gehen abends mit unseren
Freunden im campingplatzeigenen Restaurant,, da Angelo“ ein lecker Schnitzel
essen, mit Pommes, die haben auch die Holländer hier eingeführt. Später hocken
wir vor den Zelten und trinken Bindingbier und die Mädels Asti Spumante. La
dolce vita Vivat italia. Ab und zu gehen wir auch zu einem Seefest, jeder Ort
bietet das, abwechselnd. Musik und Tanz, Wolfgang mag die italienischen Männer
nicht, die offen mit mir flirten. Soll er sich doch mal ein bisschen Mühe
geben, mit mir tanzen und nicht nur Fußball und Biergespräche führen.
Die Italiener reden ständig von amore , sind galant, meistens
schlank und gut gebaut. Singen ständig und rollen die dunklen Augen. Der
Bier/Pasta-Bauch wächst erst im reiferen Alter, nicht wie bei unseren Männern,
die schon kurz nach der Heirat aus dem Tarzankostüm in ein Bärenkostüm
wechseln.
Urlaub ist rum und zurück im Arbeitsleben. Ich lese zufällig eine
Anzeige. Bei uns um die Ecke macht ein Jäger-und Trachtengeschäft auf. Die
suchen eine kompetente Bedienung. OK Jägerzeug kenn ich nicht, außer
Papa-Schürzenjäger, der hat schon mal wieder eine neue Assistentin. Er wird
älter, die Frauen an seiner Seite nicht, wechseln nur die Haarfarbe.
Ich schreibe eine Bewerbung und bringe sie persönlich in den
Laden. Natürlich im Dirndl. Der Chef, ein Mittfünfziger, ist begeistert.
Entweder kann er nicht lesen, oder ganz, ganz schnell. Er wirft einen kurzen
Blick in die Bewerbung und dann in mein Dekolleté, dann bin ich eingestellt,
mit unfassbar gutem Gehalt.
Ich habe zwar noch Kündigungszeit, helfe aber am Abend und in
meiner Freizeit, gerne beim Einräumen im neuen Laden. Da weiß ich dann auch wo
alles ist. Der Chef zeigt und erklärt mir alles. Später soll ich auch mit auf
den Schießstand, um die Waffen kennenzulernen. Ein neues aufregendes Leben
bahnt sich an.
Ich muss jetzt nicht mehr stundenlang im Stau stehen, deshalb
habe ich auch meine Arbeitszeit von Teilzeit auf Vollzeit angehoben. Wolfgang
ist ist not amused . Er sollte jetzt
mehr im Haushalt helfen. Das trifft seine Chauvinistenseele tief. Ich verdiene
jetzt mehr und er soll im Haushalt helfen. Nix da, mein Problem. Zum Glück hat
die Putzfrau aus dem Laden noch Termine frei. Für kleines Geld hält sie unser
Häuschen sauber. Das ganze Dorf ist entrüstet. Eine fremde Frau alleine in
unserer Privatsphäre. Auch noch ne Jugo. Die klauen doch, wie die Raben. Ich
setze mich darüber hinweg, mit dem Argument, dass ich mir eben ne Putze leisten
kann. Und ferdisch.
Diese Folge muß ich nachreichen, ich bin über 60 und blond und da klappt das mit dem genauen Zählen nicht mehr so gut.
Folge 6a
Folge 6a
Im Laden habe ich es überwiegend mit Männern zu tun und meine
patriarchare Erziehung hilft mir, mit diesen Chouvies zurecht zu kommen. Immer
von unter herauf, bewundernd anhimmeln. Die kaufen bei mir jeden Mist. Mein
Chef ist begeistert. Seine Frau, es ist die zweite, sie ist für die Buchhaltung
zuständig ist, hat mich auch ins Herz geschlossen. Sie ist um die 40, also grob
zwischen dem Chef und mir und sie ist aus Serbien. Der Chef hat sie auf einem
Jagdausflug in ihrer Heimat kennengelernt. Da war sie seine Jagdbegleiterin, so
ne Art Assistentin, kommt mir bekannt vor. Sie kann auch jagen und schießen und
saufen, sieht aber aus, wie ein Model. Ein üppiges Model.
Sie nimmt mich mit auf eine Messe für Landhausstyle. Ich bin
gespannt. Zu meiner Freude ist es eine Trachtenmesse, juchuuuh. Dirndl so weit
das Auge reicht. Wir probieren den ganzen Tag Dirdl, Landhausröcke und Kleider
an. Täschen, Hütchen, Tücher, Schuhe, Schmuck. Dann bestellen wir auch jede
Menge für den Laden.
Der Chef ist not amused. Einen Haufen Geld für diese Lappen
ausgeben, unglaublich. Die Chefin muss einiges aushalten. Aber wider allen
Bedenken, verkaufen sich diese Kleider sehr gut. Wir sind DER Trachtenladen im
Taunus. Wer hier sein Dirndl kauft kann sich was leisten. Klamotten sind
Statements. Wir liegen voll im Trend, es gibt jetzt sogar Zeitschriften für
Landhausstyle. Wer was auf sich hält hat eine Landhausküchen, Landhausschränke,
Landhausbetten, geblümte Sofas und Gardinen , das passende Porzellan aus dem
Salzburger Land. Man hat urige Gartenmöbel aus unbearbeitetem Holz, schick,
aber unbequem, egal, man hat das jetzt. In dieser ganzen Landhausaustellung
muss man dann auch im Dirndl rumlaufen, oder wenigstens im Landhauslook. Wie
schaut das aus, wenn man in knallbunten modernen Klamotten in dieser Landidylle
steht. Wenn man dann dort eingeladen ist, muss man im standesgemäßen Outfit
erscheinen, rotkarrirtes statt schwarzem Cocktailkleid. Haferlschuhe statt
Pumps. Mir wars recht.
Einen Monat später ist Jagdmesse. Da will der Chef hin. Die
Chefin schlägt vor, dass ich auch dahin mitgehe. Sie bläut mir ein, dass ich
wieder ganz viel Assessors kaufen soll. Munitionstäschen, Hutanstecker, wie
Gamsbärte, schicke Jagdmesser, Fotokalender mit Jagdmotiven. Ahhh
Geschenkartikel, da kenn ich mich aus, mach ich gerne.
Aufgebrezelt begleite ich den Chef auf die Messe. Er stellt mich
all seinen Spezln als seine Assistentin vor, alle blinzeln blöd rum. Die
Berufsbezeichnung „ Assistentin “ hatte schon vor Bill Clinton einen komischen
Beigeschmack.
Er geht mit seinen Genossen zu den Waffen, ich soll mich um das
Beiwerk kümmern. Alle grinsen. Ich schieb los. Ein Eldorado für
Geschenkesuchende und Ausschmücker. Jede Frau, die einen Jäger zum Mann hat,
muss ihm ein Geschenk für seine Passion bringen. Da komm ich ins Spiel.
Krawatten, Schlüsselanhänger, Brieföffner, Kalender, tragbare Ansitzhocker,
grüne Unterwäsche mit Hirschgeweihmotiv. Komisch mit Wildschwein gabs keine
Unterhosen.
Als ich dem Chef meine Auswahl vorlege, ist er schon mächtig
angeschickert, nimmt mich in den Arm und erklärt mir, dass er heute nicht mehr
heimfahren kann und ein Hotelzimmer reserviert hat. Na toll, ich hab nix zum
wechseln mit, keine Zahnbürste nix. Ich ruf seine Frau an und erkläre ihr die
Lage. Ich könnte doch fahren. Die ist
völlig entspannt. Ich soll mir halt was zum Anziehen kaufen. Zahnbürste etc sei
ja schließlich im Hotelzimmer. Ich war noch nie in einem Hotel, nur in
Pensionen, daher weiß ich das nicht. Also Kauf ich mir eine Jäger-Hose,
Jäger-Bluse grüne Socken, Wanderschuhe und Unterwäsche.
Der Chefin hatte ich von meiner Ausbeute erzählt und sie war
begeistert.
Stunden später finde ich den Chef, an einen Tresen geklammert,
seine Muttersprache verloren, mit glänzenden Augen. Er fällt mir um den Hals,
,,bring mich ins Bett‘‘, grölt er. Ich
hake ihn unter und unter tosendem Beifall und guten Wünschen verlassen wir die
Lokalität.
Ich zerre ihn zum Taxi, finde in seiner Jacke die Anschrift vom
Hotel. An der Rezeption stelle ich erstens fest, dass das Zimmer schon vor
Wochen gebucht war und zweitens, genau DAS Zimmer. Das Hochzeitszimmer mit
Himmelbett. Ich frage nach einem zweiten Zimmer. Man schaut mich mitleidig an,
es ist Messe. Na gut, der tut sowieso nix mehr, der will noch nicht mal mehr
spielen. Was der noch aufreißt ist höchstens die Clotür. Wir erreichen das
Zimmer und er wird kuschelbedürftig. Ich schieb ihn zum Bett und sage, ich
müsse noch ins Bad. Ich warte eine Weile. Nach ca 3 Minuten vernehme ich
regelmäßiges Schnarchen. Ich schieb mir im Zimmer die Sessel zusammen und
schlafe mit einem offenen Auge. Das hat ein Nachspiel mein Freund.
Noch bevor der Alte aufwacht, war ich im Bad und umgezogen. Dann
bin ich direkt zum Frühstück. So nach und nach tauchen seine Spezln auf und
alle haben ein Fragezeichen auf der Stirn. Als mein Chef dann endlich
erscheint, sieht er sehr mitgenommen aus, aber alle deuten das auf ihre Art und
Weise. Der Chef grinst nur dümmlich.
Auf der Heimfahrt bemängelt er, dass ich Hosen trage, das hätte
er ja noch nie gesehen an mir. Das is ja ma ne unhandliche Bekleidung. So ein
echter Liebestöter, da geht ja gar nix. Hab ich gut gewählt, ha chacka.
Zu Hause hat die Chefin kein Wort dazu gesagt. Sie war begeistert
von meinen Bestellungen. Der Chef hatte nix bestellt, die Vertreter hätten
jetzt alle seine Karte und würden vorbeikommen. War da auch Jack Daniels dabei?
Morgen geht es weiter


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