Samstag, 13. Juli 2019


Folge 7

Bei uns zu Hause lief es nicht gut. Ich war zu viel im Laden engagiert. Mein Wolfgang war viel mit seinen Kumpels unterwegs. Ich freute mich auf den Urlaub, Gardasee, romantischer Sonnenuntergang, prickelnder Sekt. Das wird wieder. Vielleicht klappt das auch mal mit nem Baby.
Wir wohnen diesmal in einem kleinen Hotel in Limone. Ich bezahl alles, da er das alles für zu grosskopfert hält, so ein kleiner Wohnwagen hätte es auch getan. Ich will es perfekt haben. Bequem, sauber und weg von seinen Kumpels und dem vielen Bier und Chouchtrainern.
Wie Sie schon erraten, es klappt nicht. Wir haben uns nichts mehr zu sagen. Er erzählt seine wichtigen Dinge schon seit geraumer Zeit einer Kollegin. Die hat nach Feierabend Zeit für ihn. Im nächsten Urlaub will er auch mal nach Mallorca mit ihr, blöder Gardasee. Das hat mich sehr gekränkt. Dieses Landei, ohne mich wäre der noch nie aus dem Kaff im Taunus rausgekommen.
Wir verkaufen das Haus. Ich nehme mir eine kleine Wohnung um die Ecke. Er zieht zu seiner Tussi. Ein Jahr später sind wir geschieden. Die Scheidung läuft unproblematisch über die Bühne. Wir haben keine Kinder, da ist es einfacher.
Auch die UDSSR ist fertig, pleite. Sie öffnet sich dem Westen, Glasnost.
Die DDR liegt in den letzten Zügen.
Die Scheidung hatte auch was positives. Ich habe fast 10 kg abgenommen und habe mir ein todschickes Dirndl in Größe 36 gekauft. Blassgrün mit rosa Schürze. Ich bin total verliebt in mich. Mein Chef auch. Ich muss höllisch aufpassen, dass er mich nicht alleine im Lager erwischt. Da hat er plötzlich 10 Hände. Ich hab ein Glöckchen am Eingang und an der Tür zum Lager angebracht, da hör ich ihn rechtzeitig. Er ist not amused, aber ich begründe das damit, dass, wenn ich alleine bin, ich immer höre, wenn jemand den Laden betritt. Ha, er hat’s gefressen.
Ich bin nun vermögend, mit gutem Einkommen, bin Mitte 30 und mir steht alles offen. Als erstes beschließe ich zwei mal im Jahr Urlaub zu machen, natürlich am Gardasee. Da kenn ich mich aus, ist wie zu Hause.
Bei meinem nächsten Aufenthalt dort, ich bin zu ersten Mal alleine im Urlaub, in Limone, in einem Wellnesshotel. Nur alte aufgebrezelte Frauen hier, die den ganzen Tag vom Thalasso, so ein grüner, nach Fisch stinkender Schlamm, in die Kosmetikabteilung wechseln. Bringen tut das nix, nach zwei Wochen sehen die genauso alt aus, wie vorher.  Vielleicht liegt das an dem vielen Wein mit dem sie sich am Abend schöntrinken. Aber diese Frauen sind lustig, nach ein paar Weinchen und aufgeschlossen. Ich erfahre viel über das allgemeine Eheleben. Fast jede hat mit der einen oder anderen Assistentin ihre Erfahrungen gemacht und verschieden reagiert. Eine hat den Beifahrersitz mit schwarzer Schuhcreme eingeschmiert. Das war ein Theater, als die Assistentin mit einem rosa Kostümchen eingestiegen ist. Hätte ich gerne gesehen. Andere haben einfach ihren finanziellen Nutzen aus den Affären gezogen. Sportwagen, Pelzmäntel, überhöhtes Taschengeld. Die Kinder sollten ja nichts erfahren, also hat der Alte brav bezahlt. Die wilden Jahre gehen bei dem meisten nicht ewig. Die Wohlstandskrankheiten schieben da irgendwann einen Riegel vor. Bluthochdruck, Diabetes. Im schlimmsten Fall Herzinfarkt. Dann sind sie wieder brav zu Hause und trinken Tee. Die Frauen machen weiter, wie bisher. Wellnessurlaub am Gardasee oder den Canaren. Entspannende Massagen in Thailand, mit und ohne happy end. Im Winter dann mal nach Kitzbühel. Stewa Reisen bietet alles, von der Haustür bis in die weite Welt. Die Männer passen derweil auf die Möbel und die Blutfettwerte auf.
Ich schaue mich um, nach einem netten kleinen Hotel, für die Zukunft. Ich find eine nette alte Villa in Malchesine. Ruhig, aber trotzdem in der Stadt, zweite Reihe vom See. Ist nicht billig, aber ich kann mir das leisten. Die Leute sind nett, mittlerweile sprechen die hier auch ganz gut deutsch. Die Mutter führt das Hotel mit eiserner Hand und scheucht ihre drei Söhne nur so rum. Papa gibt es keinen mehr. So hat sie die Leitung übernommen, da die Buben das noch nicht können. Die sind alle über 30, zwei sind bereits verheiratet und haben auch Kinder. Auch die Schwiegertöchter arbeiten hier mit. Ein harmonisches Familienunternehmen. Sie unterhalten sich immer sehr lebhaft, man könnte glauben, sie streiten. Ist aber nicht so, sagt man mir. Das ist das Haus für meinen nächsten Urlaub.
Der jüngste, unverheiratete Sohn, bringt mich abends zurück nach Limone in mein Hotel. Wir trinken noch ein Glas Wein und reden, reden, reden. Herrlich, mal reden, ohne den Chef oder Ehemann vor sich zu haben. Freiheit. Kann das Leben schön sein.
Vincenzo bringt mich nach Hause und grabscht mich nicht an. Ein scheues Küsschen, recht, links  und Buena Notte . So ein netter Kerl. In den nächsten, mir noch verbleibenden Tagen, treffen wir uns abends zum Essen und ich lerne die italienische Küche besser kennen. Er hält noch immer anständige Distanz. Was kann ich tun, um den Abstand wesentlich zu verringern . Am letzten Abend geb ich alles. In mein bestes Dirndl geschnürt. Parfüm aufgelegt, volles Programm. Ich nehme auch mal einen zweiten Proceccho VOR dem Essen, das macht mich locker und übermütig. Nach dem Essen bummeln wir noch durch die engen Gassen und er hält mich im Arm, wie schön. Im Hotel angekommen schmuggle ich ihn in mein Zimmer und es passiert. Ganz anders als mit Wolfgang, aber ziemlich gut. Ich komme tatsächlich auch mal auf meine Kosten. Am Morgen als ich aufwache ist er weg. Mit tut alles weh, vom Kopf bis zum Schritt, auahhh. Aber ich glühe als ich seine Zeilen finde, Amore, ich komme Dich bald besuchen. Ti amo.

Noch völlig berauscht steig ich zu Hause aus dem Zug. Selbst die 12 Stunden Zugfahrt haben es nicht geschafft, mir das Grinsen aus dem Gesicht zu rütteln. Meine Chafin holt mich ab, ich habe Kaffee für Sie dabei, das soll ich nicht alleine schleppen müssen . Sie betrachtet mich und fragt, „war was“. Und grinst breit.

Morgen geht es weiter

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