Samstag, 17.10.2026, Oberursel/Stierstadt.
Resumee Mauritius
Mit großen Erwartungen sind wir auf die Insel geflogen. Zunächst war alles so, wie erwartet. Paradiesische Strände, tropisches Klima, die Landschft und Berge wie aus Jurassic Park, alles schön. Der Verkehr auf den Straßen war gewöhnungsbedürftig. Hektisch kurvt man durch die sehr engen Straßen. In den Wohngebieten kratzt unser Taxifahrer die Kurven trotzdem mit unverminderter Geschwindigkeit. Aber am Haus angekommen fühlen wir den alten kolonialen Spirit. Die schönen Häuser sind durch elektrische Tore abgeschirmt. Man achtet auf Privatsphäre. Der Strand ist ein Traum. Türkisblau und in einiger Entfernung das Riff mit hochschäumenden Wellen. Kleine Boote schaukeln auf dem Wasser. Frühstück in einem Strandrestaurant gibt das Gefühl von Entspannung und Glück. Wir hatten auch viel Spaß mit unseren Freunden.
Nachdem die rosa Brille nach einigen Tagen trüber wurde, erkannten wir auch die Schattenseiten . Es gibt in diesem Paradies auch noch die Einheimischen, die nicht mit dem goldenen Löffel der Kolonialherren im Mund geboren wurden. Das Land ist aufstrebend. Viele haben die Marktwirtschaft verstanden und vermarkten das, was Mauritius zu bieten hat. Das Meer und alles drumherum . Der Rest resigniert.
In den Touristenmetropolen gibt es Shoppingmalls und gute Restaurants. Jeglicher Wassersport wird angeboten. Ein frischer Fisch oder Hummer am Strand gegrillt und dann am Tisch serviert, essen mit den Füßen im Sand ist für uns Mitteleuropäer ein tolles Erlebnis . Ebenso tauchen/ schnorcheln mit wilden Delfinen, unbeschreiblich. Ein Katamarantour zu einer vorgelagerten Insel, mit Barbecue an Bord, unerreicht.
Schnorcheln war für uns etwas enttäuschend. Da das Riff weit entfernt vom Strand liegt, war die Sicht auf Fische mager. Im Norden war es etwas besser, da gab es auch Wasserschildkröten und bunte Fische. Unsere Freundin Elisabeth hatte jeden Morgen ein bis zwei Begegnungen mit Schildkröten. Nun, die schwimmt auch 75 Minuten in freiem Gewässer, Chapeau. Sie ist über 70.
Die ersten 16 Tage waren wir mit Freunden im Süden und haben auch einige Ausflüge gemacht. Zum botanischen Garten, sehr schön. Viele ausländische Staatsoberhäupter waren hier und haben Bäume gepflanzt. Indira Gandhi hat eine großen Baum hinterlassen. Daneben ist ein Stängelchen von Emmanuel Macron. Will uns das etwas sagen?
Port Louis, die Hauptstadt, erinnert an Kapstadt. Imposante moderne Glaspaläste und ein sehr schöne Waterfront, mit edlen Geschäften und Restaurants. Auf der anderen Seite der Stadtautobahn die typischen Stassenverkäufer. Klamotten, Fake Mode für die Touristen. Es gibt aber auch Lebensmittel, Obst, Gemüse, Backwaren Fisch und Fleisch. Der undefinierbare Geruch, der über allem liegt ist bewöhnungsbedürftig. In Mahebourg waren wir auch auf einem der größten Märkte der Insel, der war etwas anders. Organisierter. Hier haben wir dann auch erlebt, wie die Stadtpolizei mit Falschparkern umgeht. Wegfahrsperre dran und erst Freigabe nach Bezahlung.
Der Süden ist schon sehr gut organisiert. Als wir dann in den Norden gefahren sind war das anders. Die Städte und Dörfer wirken schon ärmlicher, unaufgeräumter, viel Schmutz und Unrat. Die Leute steigen einfach darüber hinweg. Viele halbverhungerte Hunde, die auf der Straße rumdümpeln. Wir haben nicht einen überfahrenen Hund gesehen und das bei diesem rücksichtslosen Fahrstiel. Ich vermute die anderen Hunde fressen die Kadaver. Normale Verkehrsunfälle haben wir auch keine gesehen, unverständlich. Die fahren wie die Irren. Mich wundert, dass die Fahrzeuge überhaupt noch Spiegel haben, so eng wie die Strassen sind und so forsch wie die fahren. Immer am Limit.
Die Menschen hier wirken traurig und depressiv, auch die Hunde. In der Karibik oder in Südafrika haben die Menschen auch nicht mehr, sind aber irgendwie fröhlicher. Wenn man durch kleine Dörfer fährt, wird man sehr abweisend angeschaut. Ich kann das verstehen. Hier die Armut und ein Steinwurf entfernt der volle Luxus. Shangrila Hotels, Radison, Hilton, mit infinite Pool, Golfplätze. Alles hinter sehr hohen Mauern. Die Bevölkerung aber leidet unter Wasserknappheit
Wir hatten die letzten 11 Tage ein Haus, direkt am Strand, mit eigenem Zugang . Das war ein Traum. Das Haus war alt und renovierungsbedürftig, aber der Blick und die kleine Steinmole hat alles rausgerissen. Jeden Morgen haben mich hunderte Webervögel geweckt, die lautstark um ihre Nester schwirrten. Das fröhliche Gezwitscher und Gegurre der Vögel war wunderbar. Den ersten Kaffee haben wir auch immer am Strand getrunken, im Pyjama. Herrlich. Die Fischer sind dann schon mal für die erste Tour rausgefahren. Übrigens gibt es keine Möven hier, dafür elegante weiße Vögel mit sehr langem Schwanz. Weiße Tropenvögel. Abends fliegen große Flughunde um die Bäume. In diesen Bäumen leben ganze Kolonien. Sie unterhalten sich schnatternd miteinander.
Die Insel ist ein Traum, wenn man die Augen vor der Realität verschließen kann . Ich kann es nicht.
In Südafrika haben die wohlhabenden Buren jetzt massive Probleme und kaufen sich auf Mauritius Land. Überall in der Pampa stehen Schilder vor dschungelähnlichem Gelände, „for sale”, mit Telefonnummern. Ich habe zuerst gedacht, wer kauft sich hier ein Grundstück, jetzt verstehe ich’s.Einige schicke Wohnpaläste stehen schon, hinter sehr hohen Mauern .
Die Insel ist eine Reise wert. Man sollte die Menschen dort unterstützen, die schwimmen sich gerade von der Kolonialherrschaft frei. Ich wünsche Mauritius alles Gute für die Zukunft.
Am letzten Wochenende war es dann soweit. Proteste der Bevölkerung und eine junge Frau wurde angeschossen. Daraufhin gab es richtig Randale, mit Barrikaden und angezündeten Autoreifen. Das volle Programm.




















































