Sonntag, 11.10.2026, Mauritius, Gand Gaube
Heute ist mal wieder Segeltag. Wir haben eine Katamaran Tour zu Ile au Gabriele gebucht, garantiert unter Segel. Um 8 am sind wir im Hafen in Grand Baie. Auf der Treppe zum Bootsteg versammeln sich viele Menschen. Oh Gott, Massenauflauf. Bei der ersten Tour waren wir 6 Leute auf dem Boot, beim zweiten Mal ca. 20 Leute. Das hier sieht nach mehr aus. Die einzelnen Schiffsnamen werden aufgerufen und gehen an Bord. Unser Kahn ist voll. 2 junge Holländerinnen, ein spanisches Pärchen, eine Gruppe Afrikaner, ganz in weiß gekleidet , 10 Frauen und ein Mann mit weißem Panamahut, erinnert stark an Mambo number 5. Die Damen sind alle recht kräftig gebaut. Dann noch eine Gruppe wamperte Frauen, indisch, malaysisch, aufgebrezelt, als ginge es zum Club. Aufwendige Kleider, aufgeklebte Fingernägel und Wimpern, voll durchgestylt, sogar die Mädchen , ca 4, 7 und 11. Ein ungewohntes Bild, ein Mädchen mit Schnuller im Mund und angeklebten pink- Glitzer Nägeln.










Die Fahrt beginnt. Noch im Hafenbecken werden die Segel gesetzt. Die aufgebrezelten Ladys stürmen das Netz. Die erste Frontwelle kommt, Geschrei. Mit beleidigten Mienen kommen die Walküren zurück auf ihre Sitze. Der erste Lack ist ab, die Kinder weinen. Afrikanische Musik dröhnt aus den Lautsprechern. Die Gruppe in Weiß ist begeistert und singt mit. Die ersten Getränke werden gereicht. Hinten im Boot darf sogar geraucht werden. Ein mongolische aussehendes Pärchen nimmt sofort diese Plätze in Beschlag.
Nach 90 Minuten erreichen wir die Insel. Jetzt wird getendert. Ein klitzekleines Schlauchboot muss diese vielen übergewichtigen Menschen zur Insel bringen. Das muss man erlebt haben. Auf der Insel selbst herrscht großer Betrieb, immerhin sind hier 6 -8 Katamarane angekommen. Wir schnappen unsere Schnorchelausrüstung und ab ins Wasser. Unerwarteter Weise gibt es hier, trotz Hochbetrieb, einige große, bunte Fische. Sogar ein Manta hat sich hierher verirrt.











Nach 90 Minuten beginnt die Rückholung. Die Dünung ist mittlerweile so stark, dass die Crew um die Sandbank herum muss, um die, teilweise etwas ungelenken Leute, ins Schlauchboot zu verfrachten. Die größere Herausforderung ist es, diese Leute dann auf den Katamaran zu hiefen. Die weissgekleideten Leute haben die Robe gewechselt und sind nun in bunte Kleider gehüllt. Eine von ihnen sitzt im Schlauchboot neben mir. Ich sehe die Angst in ihren Augen. Niemand trägt eine Schwimmweste. Dann gesteht sie mir, sie kann nicht schwimmen. Die weiße Gruppe ist aus Lesotho, Königreich. Das Land liegt mitten in Südafrika , eine eigenständige Enclave, ohne Zugang zum Meer. Die Frau neben mir ist Mitglied der Regierung. Nächste Woche ist sie in Frankfurt um dann nach Kanada zu fliegen, zu einer Konferenz. Ein armes Land, aber mit großem Willen eigenständig zu bleiben. Ich sehe diese Leute jetzt mit anderen Augen.
Jetzt gibt es Essen. Hähnchen, Fisch, Würstchen, Salate und Brot. Dann geht es zurück. Wir sind das letzte Boot, dass die Insel verlässt. Das Boarding war dann doch zu zeitraubend. Unsere Crew will heim und so geben sie Gas. Mit großem Gejohle überholen wir einen anderen Katamaran. Die Frauen aus Lesotho beglückwünschen sich gegenseitig, dass sie diese Challange gemeistert haben. Ich frage die Crew, ob sie auch froh sind, alle wieder zurück gebracht zu haben, denn schließlich konnte die Hälfte nicht schwimmen und Rettungswesten habe ich auch nirgends gesehen. Die simple Antwort ist: Hope, we have hope. Leben kann so einfach sein .









Dann aber flott nach Hause, duschen und das ganze Zeugin die Waschmaschine. Ich hab noch nasse Haare, da stehen unsere englischen Freunde schon vorm Tor und laden uns zu sich zum Essen ein. Gerne. Sie wohnen ca 50 Meter nebenan in der ganz neuen Apartment Anlage. Wir wohnen jetzt seit 10 Tagen in einer Art Schrebergarten Haus, also das Haus ist groß, aber ohne modernen Komfort . Keine Spülmaschine. Alte Holzküche, 60er Jahre. Alles frisch gestrichen, aber vergessen vorher abzukleben, schlampig. Der private Zutritt zum eigenen Strand reißt aber alles wieder raus.
Das Apartment von Elisabeth und Stefe kommt mir vor wie ein Ausstellungsraum von Möbel Meiss. Großer Wohn- Küchenbereich, mit Kochinsel, alles in elegantem cremefarbenen Tönen. 3 Schlafzimmer, drei Bäder, große Terrasse mit Ventilatoren, die die Stechbiester fernhalten. Elisabeth bekocht uns und wir trinken den letzten Champagner aus Südafrika, der von unserem Hochzeitstag übrig ist. So einschönes Apartment und ein schöner Abend.
Sie kommen sie jeden Abend zu uns, da wir den besseren Blick haben. Außerdem mögen wir uns, wir schwimmen auf einer Welle. Morgen will Elisabeth mit Horst in einer bestimmten Buch schwimmen. Hier trifft sie jeden Morgen eine große Schildkröte. Die will Horst natürlich auch mal sehen. Elisabeth schwimmt täglich 75 Minuten. Vom Haus ihrer 98 jährigen Mutter durch diese Bucht. Im Freigewässer ist mir das zu viel. Ich bin beim Delfin schwimmen an meine Grenze gekommen.
Gute Nacht Mauritius