Freitag, 12. Juli 2019

Folge 5


Die Notstandsgesetze wurden verabschiedet, was immer das auch bedeutet, war aber in aller Munde. Dann war da noch die RAF. Die haben Kaufhäuser angezündet, Politiker erschossen und Flugzeuge entführt. Was für ein Irrsinn.
Dafür wurden aber Frauen selbstständiger und selbstsicherer. Erst 1969 dürfte eine verheiratete Frau ein eigenes Bankkonto haben. Hurra, es geht voran, vielen Dank auch.
Die Studentenbewegung in den Universitätsstädten war auch sehr aktiv. Es wurde randaliert, Häuser besetzt und BH s verbrannt. Dann noch der § 218, Abtreibung und der § 175 Homosexualität. Ständig wurde irgendwo demonstriert. Die Polizei fuhr mit Wasserwerfern dagegen an. Ich sah das nur im Fernsehen, ich würde da nie mitmachen.
Anfang der 70er verließ ich die Schule und begann eine Lehre in einem Kaufhaus. Einzelhandelskaufmann. Die Arbeit machte mir Spaß, nachdem ich einige Abteilungen durchwandert hatte und bei den Spielwaren und Geschenkartikeln hängen blieb. Da musste ich nicht die neueste Mode tragen und zu Fasching konnte ich mein Dirndl anziehen. Ein paar Herzchen auf die Wangen gemalt und ich war glücklich. Ich hatte plötzlich eigenes Geld. Ich wohnte noch bei Mutti, aber die war fast nie zu Hause. Sie war auf einem Selbstfindungstrip. In Griechenland und später in Indien. Eigentlich sollte ich immer mit ihr in Urlaub fahren, aber die Leute mit denen sie zusammen war, waren mir zu fremd. Alles wurde durchdiskutiert, auch ich. Die wollten mich befreien, von den alten Zöpfen. Ich wollte, dass alles so bleibt wie es war. Keine Experimente.
Fasching hab ich dann auch meinen Wolfgang kennengelernt. Auf einem Lumpenball in einem Nachbarort. Da war so eine Sektbar. Nach einigen Tänzchen schleppte mich mein Wolfgang in besagte Bar. Nach einigen Gläschen Sekt ließ ich mich in einer dunklen Ecke nach allen Regeln abgrabschen. Ich fand das richtig gut, endlich mal einer, der sich traute, was auch immer.
Wir trafen uns danach öfter und auf dem Rücksitz seines K70 verlor ich meine Unschuld. Jetzt musste ich doch mal zum Arzt und mir die Pille verschreiben lassen. Ich wählte einen Arzt in Frankfurt, weit genug weg von unserem Dorf, dass mich keiner sieht.
Wolfgang war aus dem Hintertaunus. Als wir beschlossen zusammen zu ziehen, musste ich den Führerschein machen, denn aus diesem vergessenen Bergdorf, kommst Du ohne Auto nicht raus. Arbeit gibt es dort erst recht nicht. Nun verbrachte ich täglich, je morgens und abends, 1 Stunde in der Blechlavine. Zusammen könnten wir nicht fahren, da wir völlig unterschiedliche Arbeitszeiten hatten.
Der Vietnamkrieg ist endlich zu Ende. Endlich Schluss mit diesen grauenhaften Bildern, von dürren gejagten Menschen, Bomben und Feuer.
Mitte der 70er heirateten wir und erwarben ein Baugrundstück. Mit Hilfe seiner buckligen Verwandschaft hat mein Mann dann ein Haus gebaut. Das ist auf dem platten Land so, man hilft sich. Mit dem Ergebnis, dass man die nächsten 5 Jahre an den Wochenenden beim Bau diverser anderer Häuser eingeplant wird. Die Frauen übernehmen das Catering, Kartoffelsalat, Sauerrkraut, Worschtplatten, Linsesupp mit Rindswörscht, Lebberkäsbrötchen, Bratwurst.
Für mich war das schwierig, zu organisieren, da ich berufstätig war und das auch Samstags. Da habe ich die Pizza für mich entdeckt. Alle waren immer ganz heiß auf meine Pizza. Konnte alles gut vorbereitet werden und war der exotische Knaller. Natürlich an deutsche Geschmäcker angepasst. Zum Teil sogar mit Ananas, oder Hackfleischsauce obendrauf. Auf keinen Fall Anchovis oder so exotisches Zeug.
Und so konnte ich einige von denen für den Gardasee begeistern.die meisten waren noch nie im Urlaub, oder gar im Ausland gewesen. Im Sommer 1980  fuhren wir mit 8 Personen, 4 Pärchen an meinen Gardasee. Alle in todschicken, hochmodischen Klamotten, ich im Dirndl.
Da wir alle.finanziell klamm waren, wählten wir wieder den Campingplatz. Zurück zu den Anfängen.
Der Schock:  Der Platz war jetzt parzelliert, nix mit wild Zelt aufstellen. Ich hatte das alte Zelt meiner Eltern vom Dachboden geholt. Ich dachte das ist jetzt der Knaller. In den vergangenen 20 Jahren ist die Weiterentwicklung auch am Campingdesign nicht vorbeigegangen. Unser Zelt war tatsächlich DIE Sensation. Habt ihr das Ding aus dem Museum? Das war noch freundlich. Früher war ich immer in den Sommerferien hier. Da wir alle noch keine Kinder hatten, waren wir nun schon im Juni hier. Glückwunsch, Regenzeit. Unser Superzelt ist nicht mehr wirklich Regen geeignet. Mein Wolfgang war stinksauer,  alle hatten schicke Zelte, leicht aufzubauen und wasserdicht. Wir nicht, super Honeymoon. Aber dank unseres Doppelverdienstes, können wir uns einen dieser Wohnwagen, die der Campingplatzvermieter anbietet, leisten. Das ist toll. Nicht mehr im geduckten Zeltgang leben. Es ist nix so schlecht, dass es nicht für irgendwas gut ist. Sogar eine Chmietoilette ist drin. Kein Ahnung wo der  Campingplatzbesitzer das entsorgt, war mir auch egal. Die Wohnwagen stehen in einem anderen Teil des Campingplatzes. Abgehoben vom Fußvolk in den Zelten und Schlafsäcken. Das hat meinem Wolfgang wieder gefallen. Honeymoon gerettet. Unsere unmittelbaren Nachbarn sind überwiegend Holländer, die mit eigenen Wohnwagen hier sind. Wolfgang ist not amused , aus fussballtechnischen Gründen, keine Ahnung. Ich bin fasziniert von denen. Die haben alles dabei, vom Grill bis zum Haartrockner, Bügelbrett und Bügeleisen, Waffeleisen für die leckeren Waffeln, alles, alles. und die sind hier noch nicht am Ziel. Die wollen weiter,  ans Meer. Warum auch immer, Wasser ist Wasser . Hier gibt es keine Quallen. Nicht dass ich schon mal eine gesehen hätte, aber das ist immer die erste Frage, wenn einer am Meer war. In Venedig roch das Meerwasser außerdem nicht so lecker. Das kann dann auf der Insel daneben, Jesolo, auch nicht besser sein.
Fahrendes Volk. Ich dachte immer die müssten schwarzhaarig sein. Unsere holländischen Nachbarn sind blond, drall, laut, bunt, trinkfest.


Morgen geht es weiter............

Donnerstag, 11. Juli 2019



Folge 4




Ludwig Erhard war Kanzler, der alte Masshalter. Die ersten Selbsbedienungsgeschäfte eröffneten, Latscha, Schade. Unglaubliche Errungenschaften.
1964 ist mein Opa gestorben und 1965 meine Oma.
Auch meine Eltern gingen neue Wege. Mein Vater hatte eine Assistentin, die ihm auch bereitwillig im privaten Bereich assistierte, keine Wiederworte gab und alles abnickte.
Meine Mutter war sehr gekränkt, hat sich aber bald entschlossen ihr Leben ab nun selbst zu gestalten. Scheidung, Neuer Job, neue Wohnung, neue Freunde. Es waren die 68er und sie war noch jung. Mir war das alles zu neu. Ich war Teenager und in der Pubertät. Ich dockte mich an eine meine Tante an, die seit ewigen Zeiten verheiratet war, aber kinderlos. Diese beiden lieben Menschen hatten ein solides Leben, nicht so ein Sodom und Gomorrah wie meine Eltern. Die fuhren jetzt auch immer an den Gardasee, aber in eine kleine Pension mit Familienanschluss. Sie waren ein liebes Pärchen, gingen auch liebevoll miteinander um. Ob es an der Anpassungsfähigkeit meiner Tante lag, oder die beiden waren so friedlich gestrickt. Sie hatten beide im Krieg ihre Partner verloren, vielleicht waren sie daher für die Partnerschaft mit dem anderen so dankbar. Krieg hatten die genug erlebt. Mein Onkel war in Gefangenschaft auch in Italien und es muss die Hölle gewesen sein. Aber er hat den Leuten verziehen, es waren andere Zeiten gewesen und Mussolini war weg, hoffentlich mit Hitler in der Hölle.
Während mein Vater nun mit seiner Neuen weiterhin Altes besuchte, Rom, Florenz, Sizilien, Neapel, später dann andere antike Plätze am Mittelmeer, folge meine Mutter dem Ruf der Freiheit und sie verbrachte die Urlaube in FKK Siedlungen. Immer und überall nackt.  Jugoslawien war da angesagt. Da gab es eine Insel, nur für Nackte. Sie betrachtete jetzt schöne, echte, nackte Körper, keinen kalten Marmor von Rafael, Michelangelo oder Botticelli.
Die Amis sind 1969 auf dem Mond gelandet. Die Russen vor Neid grün angelaufen. Damals wurde der Grundstein zur finanziellen Vernichtung der UDSSR gelegt. Die Russen haben seit der Kubakriese alles Geld in die Rüstung und Raumfahrt gesteckt. Gesichtsverlust war nicht zu akzeptieren. Die haben in der Schweinebucht zwar gewonnen, aber sich dann total verausgabt. Mir war das Wurscht. Ich war Teenager und an allem, außer Politik, interessiert. Meine Schulkameraden sind ständig zu Demos gelaufen. Es gab deshalb immer Ärger in der Schule. Mir war das fremd. Wir haben doch eine gute Regierung, die machen das schon richtig.
Ich fuhr im Sommer weiterhin mit Onkel Fritz und Tante Hilde an den Gardasee. Da kannte ich mich aus. Die Pension war zwar nicht da, wo unser Campingplatz war, aber egal, dahaaam is dahaaam . Der See hat viele Ufer.
Die Wirtsleute waren einfache Italiener, die im Sommer zwei Zimmer vermieteten. Die beiden Söhne waren aus dem Haus und arbeiteten als Gastarbeiter in Deutschland.
Hier in Italien trug ich freiwillig mein Dirndl, das unterschied mich von den anderen, die jede Mode mitmachten. Meine Figur begann nun auch, sich in ein Dirndl zu formen. Ich hatte das erste Dirndl mit Mieder und Dirndlbluse. Tante Hilde kaufte mir auf dem Markt einen richtig schicken BH und die kleine Pracht wurde noch etwas hervorgehoben. Das bemerkten auch die anderen Jugendlichen. Die Mädchen waren neidisch und die Jungs schleckten sich über die Augenbrauen. Da beschloss ich, ,,immer nur Dirndl‘‘. Auch den italienischen Jungs fiel das auf. An der Eisdiele war ich immer umschwärmt, zum Ärger der Mädels in Miniröcken und Twiggilook. Aber ich war noch zu scheu zum Flirten.
Zu Hause in Deutschland konnte ich das nicht tragen. Gerade auf dem Land muss Du jede Mode  mitmachen, die Frauenzeitschriften mit Frauennamen vorschreiben. Auch die Modefarben müssen eingehalten werden. Wenn Du das nicht machst, merkt sofort jeder, dass Du vom Land bist. Für mich war das nicht einfach. Erstens hatte ich nicht so viel Geld um mir ständig neue Kleidung zu kaufen und zweitens hatte ich dann mit 17 eine echte Rubensfigur. Mit diesen Babyspeckpolstern kannst Du keine knallengen Cordjeans und Hotpants tragen. Selbst diese indischen Flatterhemdchen sehen aus wie Beduinenzelte, wenn ein Körbchen Größe C -D drunter versteckt ist. Ich freute mich immer auf den Sommer und die drei Wochen am Gardasee, meine ganze Üppigkeit in einem Dirndl verpackt. Mein braungebranntes Dekolleté am Abend durch die Gassen wabern lassen und den einen oder anderen sabbernden Blick zu erhaschen.
Ich begann im Urlaub nun auch mit Jungs zu reden, habe ihre Witze oder Andeutungen damals gar nicht verstanden und fand sie daher schlichtweg doof. So in der Fremde kommst Du schneller mit anderen in Kontakt. Du hast was zu fragen. Woher kommst Du, wie oft warst Du schon hier, blablabla. Zu Hause ist das irgendwie schwieriger.
Wenn ich zu Hause mit Schulfreundinnen auf die Kerb, Kirmes, ging, lungerten wir immer am  Autoscooter rum und blicken kokett herum. Oft hat sich dann ein Junge getraut und gefragt, ob man eine Runde zusammen im Skooter drehen wollte.  Eng aneinandergedrückt in den kleinen Sitzen. Meist legte der Junge dann besitzergreifend den Arm um die Schulter des Mädchens. Bei dem Gerempelt hat er einen dann beschützend an sich gedrückt. Das war der erste Kontakt. Später, wenn man sich traute, hat man gemeinsam irgendwas Süßes gegessen. Das eine oder andere Pärchen ist dann im Schutz der Wohnwagen zu Schritt 2 übergegangen. Knutschen und zaghaft anfassen. Manche von meinen Schulkameradinnen war da schon weiter als ich und die haben Gras geraucht, Alkohol getrunken. Ich hatte nicht die Traute. Mein Vater und Tante und Onkel haben mich davor gewarnt. Da wirst du hinter die Hecken gezerrt und dann passiert es, du bist willenlos und dann schwanger. Also habe ich dieses Abenteuer mal gelassen. Schwanger, ungewollt, auf dem Dorf, geht nicht. Was sollen die Leute sagen. Meine Mutter sah das anders und wollte mit mir zum Frauenarzt, die Pille verschreiben lassen. Ich wollte das nicht, wozu? Wäre mir auch peinlich gewesen, nackt vor einem fremden Mann und dann noch den Intimbereich herzeigen, neeee.

Mittwoch, 10. Juli 2019




 Folge 3





Dieser erste Urlaub in Italien ging dann auch mal zu Ende. Zu Hause hat die Oma uns mit deutschem Essen empfangen. Für Papa war die Welt wieder in Ordnung. Für mich auch, ich musste keine alten Palazzi mehr anschauen, oder eine andere Trümmertour machen.
In den folgenden Jahren hat sich an unserem Urlaubsverhalten nicht viel geändert. Die Anreise war einfacher, da 1963 der Brennerpass eröffnet wurde, die berühmte Europabrücke. Mir war nicht mehr schlecht von den viele Serpentinen. Wir hatten meistens eine Übernachtung in Österreich, hin und zurück. Salzburg war schön, mit den Kutschen, die durch die Stadt klappern. Ein hochherrschaftliches Gefühl. Ich durfte beim Kutscher vorne sitzen, der roch sehr stark nach Schnaps, gut, dass die Pferde den Weg kannten.
Wir hatten nun ein größeres Auto, ein größeres Zelt und viele Konserven dabei. Papa ist weiterhin auf Besichtigungstour. Mutti und ich haben uns geweigert, das hatten wir alles schon gesehen. Keine alten Steine mehr, bitte.  Aber Papa hat dann immer wieder Leute, Damen, gefunden, die er mit seinem Kunstwissen beeindrucken konnte. Mutti hat in dieser Zeit die Kultur der einheimischen Bevölkerung studiert, vorzugsweise der jungen Männer . Sie hat sogar einen Sprachkurs gemacht und konnte schimpfen wir ein echter italienischer Busfahrer.
Ich hatte mich mit einigen Kindern aus der Zeltnachbarschaft angefreundet und wir haben an der Eisdiele rumgestanden, waren schwimmen oder haben Gummitwist gespielt. Oder irgendwas mit Buben gegen Mädchen. Es waren aber keine italienischen Kinder dabei. Keine Ahnung wo die waren, jedenfalls nicht auf dem Campingplatz in der deutschen Enklave.
Italien und die Italiener blieben uns fremd. Nur gucken, nicht anfassen oder essen, was man nicht kennt. Kann auch sein, dass viele schon in Deutschland waren, als Gastarbeiter.
Souvenirs beschränkten sich auf glitzernde Gondeln oder diese lustigen Korbflaschen mit dem ungenießbaren Wein. Chianti. Zu Hause im Partykeller immer ein Vorzeigeobjekt und die Flaschen mit Kerzen zu großen Skulpturen wachsen lassen.
Es war jedes Jahr das gleiche, nur hatte ich immer ein neues Dirndl an. Ich hätte auch gerne mal so schicke Shorts, oder einen Rock mit Petticoat getragen, Papa hat’s nicht erlaubt. Dieser Amikram kommt nicht ins Haus und diese Musik auch nicht. Wir hörten auch zu Hause keine moderne Musik. Entweder Klassik oder Volksmusik. Papas Kommentar dazu: brauchen wir nicht. Egal ob neue Mode, Musik, eben modernes. Wäre er Leiter der Evolution gewesen, wir wären heute noch Einzeller. ,, eine zweite Zelle?  Nee brauchen wir nicht, ging doch gut bis jetzt. ( diesen Satz hatte ich von Dieter Nuhr abgeschrieben)
Elvis oder die neuen britischen Bands mussten wir hören wenn der Vater auf Exkursion war. Sogar deutsche moderne Musik lehnte er ab. Peter Kraus, Bibi Johnes. Am schlimmsten war es, die italienischen Lieder nicht hören zu dürfen, Catharina Valente, Silvio Francesco, Adriano Celentano, Rita Pavone : zwei kleine Italiener......... Ne, Rudolf Schock oder Maria Callas, die Kreissäge, mussten es sein.
Ich wechselte die Schule, Mitte der 60 er,  ab der 5. Klasse ging ich in die Realschule. Die war im Nachbarort und ich musste mit dem Fahrrad dorthin. Bei Wind und Wetter. Auch war dort alles anders. Neue Mitschüler, neue Lehrer, neues zu lernen, neue Fächer, Fremdsprachen, Mathe statt Rechnen. Biologie, Chemie, Physik. Eigentlich hatte Papa recht, brauchen wir nicht.
Ich war jetzt Schlüsselkind. Die neue Schule erweiterte meinen Horizont. Ich stellte fest, dass es Mode gab und die Mädchenbekleidung nicht nur aus Dirndln bestand. Das Leben öffnete mir neue Wege.
Es gab nun , auch für mich, die Beatles, die Stones, Elvis und die Bravo. Die musste ich heimlich lesen. Meine Schulfreundinnen hatten diese Superstars in Lebensgrösse in ihren Zimmern aufgehängt. Ich war soooo neidisch.
1963 wurde John F. Kennedy ermordet. Skandal. Erst die Kubakriese gemeistert, eine Vorzeigefamilie . Später sind dann die Hüllen gefallen, der hatte Verbindung zur Mafia, Frank Sinatra und ein paar Verhältnisse, auch mit Marilyn Monroe. Dass wir damals soooo knapp an einem Atomkrieg vorbeigeschrabbt sind haben wir gar nicht so geschnallt. Jeder war mit der neuen Zukunft beschäftigt. Schaffe, schaffe, Häusle baue.  Der Krieg in Asien war weit, weit weg
 In Berlin wurde sogar eine Mauer quer durch die Stadt gebaut. Diese Leute dort konnten jetzt nirgends mehr  hin. Das Land war eingekastelt . Keiner raus und nur mit Erlaubnis rein. Diese armen Leute. Oma hat zu Weihnachten immer Päckchen nach drüben geschickt. Kaffee, Schokolade, Nylonstrümpfe. Dafür bekam sie regelmäßig Räuchermännchen aus dem Erzgebirrge. Viele, viele  waren das.

Morgen geht es weiter..............

Montag, 8. Juli 2019



                                                      Folge  2
In Opas Krautgarten war es auch immer schön. Er werkelt rum und ich kann machen was ich will. Blumen pflücken, Beeren direkt vom Stauch essen, ohne sie vorher zu waschen. Wenn Mama das wüsste. Wir sind immer mit einem Leiterwagen in den Garten. Opa war mein Kutschpferd und ich die Prinzessin in der Kutsche. 
Oma hat die Ausbeute aus dem Garten später dann verarbeitet. Hunderte von Einmachgläsern und Marmeladegläsern stehen im Keller, ordentlich aufgereiht und beschriftet. Die Kirschen und Pflaumen waren meine Favoriten, diese Gemüsegläser eher weniger. Aber, keine Chance, das war gesund und Oma hat meistens eine dicke Sauce dazu gezaubert, dann war das Gemüse auch genießbar. Zum Nachtisch gab es dann lecker Pudding mit Obst. In der damaligen Zeit gab es noch keine Kalorien, die wurden erst später erfunden.
Opa hat dann abends meine Hausaufgaben schnell gemacht, weil ich zu müde war. Meine Lehrerin hat das irgendwann mal bemerkt und in mein Heft geschrieben , ich solle meinem Großvater ausrichten, er soll ab und zu mal nachrechnen oder im Duden nachschlagen. Opa hat nur gelacht. Mama war entsetzt. 
Die anderen Kinder waren neidisch auf meinen Opa. Der war im Krieg verwundet wurden und bekam schon früh eine Rente, deshalb musste er nicht mehr arbeiten und hatte Zeit für mich. Mit kleinen Gelegenheitsarbeiten besserte er die Haushaltskasse auf.
Im Herbst brannte er mit seinem Spezi Schnaps, von gesammeltem Fallobst. Das war immer aufregend, weil es verboten war, Schwarzbrenner.
In einem Kellergewölbe hatten die beiden diese aufregenden, blubbernden Geräte. Kupferkessel, spiralförmige Leitungen und Ballonflaschen. Außerdem unzählige Kübel, in denen das Obst erst mal vor sich hin faulte. Ekelhaft. Man redete von Maische. Das war alles sehr geheim, wie bei Hexen. Keiner dürfte zugucken. Ich erinnere mich gut an den Tag, als was schief lief. Die beiden standen den ganzen Tag im Keller in diesem Alkoholdunst, da waren sie immer ein bisschen torkelisch. Aber an diesem Tag haben sie auch noch das Ergebniss getestet, sprich, frisch durchgelaufenen Schnaps getrunken. Sie krochen auf allen vieren aus dem Keller und kippten ständig um. Außerdem könnten sie nichts mehr sehen. Unser Dorfarzt diagnostizierte eine ordentliche Alkoholvergiftung. Opa war tagelang krank. Oma hat die Gerätschaften konfisziert und beschlossen, dass ab jetzt kein Schnaps mehr gebrannt wird. Einige Dorfbewohner waren jetzt sehr traurig.
Durch den Zusatzverdienst meiner Mutter konnten wir uns schon Anfang der 60er Jahre einen Urlaub in Italien leisten. Papa wollte in die Berge, oder schöne alte Städte besuchen, Kunst und Kultur. 
Mutter wollte ans Meer, tagsüber in der Sonne brutzeln, romantische Sonnenuntergänge, abends exotisch essen und dann Musik und Tanz.
So haben sie sich auf den Gardasee geeinigt, da gibt es alles, Berge, Wasser, Kultur. la Dolche Vita .
Wer schon mal am Gardasee war, hat bestimmt schon mal dieses Gefühl gehabt, „ich bin im Land der Zitronenblüte angekommen“.
Wenn man am oberen Teil des Sees aus den Bergen kommt und hat den gesamten See in voller Länge zu Füßen liegen. Kitschig ist der Ausblick, zwischen einigen Zypressen blinzelt der See heraus und verspricht mediterranes Leben.
1960 war das wie eine Mondlandung. Du hast diese Dinge nur beim Friseur in bunten Zeitschriften bestaunt. Palmen, Kakteen, eigenartige Gebäude, Uferpromenaden, Eisdielen, fremde Gerüche aus den Gaststätten, exotisches Obst und Gemüse. Damals gab es keine Reiseberichte im Fernsehen, wo man sich auf fremde Länder und Leute einstellen könnte.Papa hat wochenlang Reiseführer studiert und Landkarten mit dem Zirkel durchlöchert. 
Da unsere Urlaubskasse messerscharf kalkuliert war, wohnten wir auf einem Campingplatz. Das war eine deutsche Kolonie. Deutsche VW Käfer und Opel Rekord parkten unter schilfgedeckten Pergolas ( Pergolen??)  Die Zelte standen, zumindest in den ersten Jahren, wild aufgestellt, auf dem knochenharten Kiesboden, direkt am See. Eine echte Herausforderung für einen Schreibtischtäter, wie meinen Vater. Zwei zarte, linke Hände und keine Ahnung von Technik. Ein Möbelstück entwerfen, zeichnen und dann vom Schreiner bauen lassen, war etwas anderes, als mit den Tücken eines Zeltes mit seinen zusammensteckbaren Stangen, die im richtigen Moment dann auseinanderfielen. Das ganze bei leichtem Wind. Im Nachhinein weiß ich, warum wir den Krieg verloren haben. Mein Vater war im Krieg bei den Pionieren, na Bravo.
Mit dem Charme meiner Mutter hatten wir dann sofort Kontakt zu unseren Nachbarn, die nur darauf gelauert hatten, dass ein Greenhorn auftaucht, sich voll blamiert und dann geholfen wird. Klar, degen ein paar kalte Getränke. Später haben wir dann auch an den typischen An-und Abreisetagen auf die Neuen gewartet und uns schepp gelacht. Lässig im Campingstuhl, mit einem deutschen Bier in der Hand, also die Männer.  Das schweißt in der Fremde zusammen. Es gab auch ein paar Österreicher, die wir misstrauisch beäugt haben. Wer kümmert sich denn jetzt um die Kühe auf der Alm? Und die deutschen Touristen in Österreich? Das Weltbild war damals ein anderes. Wir glaubten alle Österreicher haben einen Kuhstall, eine Alm oder eine Pension. Das die auch Ärzte, Ingenieure. Geschäftsleute haben, könnten wir uns nicht vorstellen. Wir hatten die Vorstellung, dieses Land hinkt noch hinter der Entwicklung her. Ein beliebter Witz war : ,, was tust Du, wenn morgen die Welt untergeht? Einer will noch mal wilden Sex, einer sich betrinken, einer einen Porsche fahren. Der clevere geht nach Österreich, denn die sind immer ein paar Jahre hintendran‘‘ . Hahahaha
Was uns Deutsche und die Österreicher verband, war der Fable für die typische Bekleidung. Die Buben trugen kurze Lederhosen und die Mädchen Dirndl. Das war praktisch, vor allem für die Mütter von Jungs, eine Hose für den gesamten Urlaub. Ach was den ganzen Sommer.  Ferdisch. Bei den Dirndln brauchte man, mit etwas Glück,  nur die Schürze mal waschen. 
In der damaligen Zeit tat man sich schwer mit neuen Dingen. Angefangen beim Essen. Es gab so gut wie keine Kartoffeln in Italien. Papa ist fast verzweifelt. Reis. Bei uns eine Art Diätessen, zum Entwässern und Abnehmen, damals ! Nudeln, die so lang waren, dass man sie nicht auf die Gabel bekam. Pizza, haha,  -Kuchen, der nach Tomaten schmeckte. Nun, das war Abenteuer. Exotisch.
In den lebhaften Gassen der kleinen Orte am See war das pralle Leben. Lautstarke Märkte, wo Schwein am Spieß gebrutzelt wurde. Leider ohne Kraut, Knödel und Sauce. Auch wurde exotisches Gemüse angeboten. Das haben wir lieber mal nicht probiert, dunkelviolette, glänzende Eierpflanzen. grüner Blumenkohl. Die Wurst und der Schinken hängen an den Stangen der kleinen Marktständen und trocknen und schimmeln vor sich hin, unglaublich.
Melone hat uns überzeugt, etwas anstrengend mit den vielen Kernen und dem Saft, aber auf dem Campingplatz, in Badehosen, geht das. Kerne in die Gegend gespuckt, nach dem Essen komplett in den See getaucht und den klebrigen Saft abgespült.
Tja, und das Brot. Es gibt kein gutes Brot in Italien. Nur weißes, geschmackloses Zeug, mit viel zu großen Löchern.
Die Profis und die, die vorher wen gefragt hatten, haben Sauerkraut, Würstchen, Linsensuppe, Erbsensuppe, Kartoffelsuppe, Kohlrouladen, Gulasch, alles in Konserven, dabei. Und Lieken Urkorn, Schnittbrot. Damit war die erste Woche gesichert.
Wir hatten niemand gefragt und mussten Wochen lang die schlechte Laune von Papa ertragen.
Ich bin mit meinem Dirndl auf dem Campingplatz herumgelaufen und wurde sofort als Deutsche erkannt. Man hat mich dann auf ein paar Frikadellen oder Gulasch mit Nudeln, die vor dem Kochen mundgerecht zerbrochen wurden, eingeladen.
Unser Tagesablauf war geregelt, wie zu Hause. Aufstehen, zum Wasch-und Toilettenhäuschen gehen, Frühstück machen, frühstücken, danach abwaschen. Zelt aufräumen.  Dann war Urlaub. Bis zum Mittagessen. Außer wir sind in eine andere Stadt gefahren.
Papa will jeden Tag in eine andere Stadt, einen Dom, einen Platz etc zu erkunden und Fotos machen. Meistens müssen wir mit. In der ungewohnten Gluthitze im Käfer ohne Klimaanlage. Ich sitze ständig in einer Schweisspfütze. Mein Dirndl hat dunkle Stellen unter den Achseln. Dankbar wenn es in ein Museum geht, die haben oft einen kühlen Gewölbekeller. Aufgrund des guten Essens, wir essen ständig Pizza oder Nudeln und Italienisches Eis, ist Mutti dann in Verona aus den Nähten geplatzt. Der Reißverschluss ihres Dirndls hat aufgegeben, irreparabel . Sie kaufte sich ein neues Kleid. Bunt, mit tiefem Rückenausschnitt und sehr weitem Glockenrock.  Ein Traum. Ich beschließe ab sofort jetzt mehr zu essen. Ich will auch so ein Kleid. Es hat aber nix geholfen, auf der Heimfahrt durch Österreich hab ich dann ein neues Dirndl bekommen, zwei Nummern größer, da kann ich übers Jahr reinwachsen. So ein Mist.
Venedig war auch sehr interessant, keine Straßen nur Kanäle, die in der Sommerhitze üblen Geruch ausströmten. Und erst der Fischmarkt. Es gibt Meeresgetier, das sehr fremd daherkommt. Ich hatte vorher noch nie einen Tintenfisch gesehen. Rosa bis braun, mit großen Noppen, langen schlangenartigen Armen, ekelhaft. Das essen diese Menschen. Oder das ganze Viehzeug mit langen Beinchen und Gartenscheren als Greifer. Krebse und Langusten heißen die. Außerdem Muscheln und Meeresschnecken. Schön anzusehen, oder als Halskette, aber essen, neeeee.
Der Rest von Venedig war sehr schön. Gondoliere, die ständig singen und ihre Bootchen durch die Stadt, die Kanäle, staken. Größere Boote, die unsere Straßenbahnen ersetzen und uns von A nach B bringen. Auch nach Murano. Da wird Glas gemacht, geblasen, bunt und filigran. Ich bekomme einen Schwan gekauft, der leider schon bald den Hals verliert. Kein Kinderspielzeug. Unpraktisch.

Auf dem Marcusplatz sind tausende Tauben, die man füttern oder jagen kann. Manche sind mutig und fressen aus der Hand. Findige Venetianer verkaufen Taubenfutter und ich glaube, diese mutigen Tauben, die aus der Hand fressen, können gar nicht mehr fliegen. Die sind zu fett um abzuheben. Ein italienischer Kaffee auf diesem Platz ist fast unbezahlbar. Man muss die Aussicht und das Flair mitbezahlen, sagt Papa.

Morgen geht es weiter 😃



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Das Dirndl
Kurzgeschichte


Jetzt guck halt net so neidisch. Ohne Brust sieht das sowieso nix aus, Du Hungerhaken. Gönn Dir mal was richtiges zum Essen.
Manchmal könnt ich aus der Haut fahren, aber wie? Ich bin in diesem blöden Dirndl gefangen. Wie lange noch? Auf Ewig? Fegefeuer im Dirndl, na Bravo.
Wie genau ich hier rein gekommen bin, weiß ich gar nicht genau. Zumal ich dieses Modell damals, bei meinem Sturz, gar nicht getragen hatte. Da hab ich schon lange nicht mehr reingepasst, Größe 36, ha, ein Wunschgedanke. Wenn Du mit Mitte-Ende 60 noch Größe 36 hast, siehst Du im Gesicht aus wie eine Backpflaume, Rosinengesicht. Der Rest des Körpers mutiert zu einem Plisseepanzer, net werklisch schee. Also besser ein paar Kilo mehr.
Wenn nicht viel los ist, hier am Touristenmuseum in Limone, grüble ich immer, wie das alles hat passieren können. Seit 4 Jahren bin ich hier, gefangen in einem super sexy Dirndl und ausgestellt in der Abteilung ,, deutsche Touristen “.

Wie alles begann:
Ich bin 1953 in einem  Drecksnest in  Hessen geboren. Meine Eltern hatten nach dem Krieg die Ärmel aufgekrempelt und das Wirtschaftswunder gelebt.  Mein Vater war Angestellter bei einem aufstrebenden Familienbetrieb, die Möbel hergestellt haben. Damals gab es noch keinen Poco oder XXL, oder Segmüller, da wo das Möbel haust. Meine Mutter war, zum Ärger meines Vaters, auch halbtags arbeiten, in einem Kaufhaus. Ich hatte die Großeltern in der Nachbarschaft, die mich tagsüber betreut haben. Mein Opa war ein verrückter Kerl, mit immer neuem Blödsinn im Kopf. Meine Oma war eine echte Oma, immer in Kittelschürze. Am Herd, am Waschzuber, am Bügelbrett, im Gemüsegarten, mit rauhen, runzeligen Händen. Immer für die Familie im Einsatz. Nie gejammert. Während mein Opa die Nachbarinnen besucht und beglückt hat. Viele von denen waren Kriegswitwen und alleinstehend. Da gab es viel zu reparieren und Hand anzulegen.
Die Frauen in Deutschland hätten damals schon die Gelegenheit gehabt, sich zu emanzipieren. Die Trümmerfrauen hatten den Aufbau nach dem Bombenterror fast alleine gestemmt, die Männer waren entweder gefallen oder noch in Gefangenschaft, oder irgendwie kriegsversehrt . Aber die Gesellschaft  dachte noch in alten Schubladen.  „ ein Mann ist ein Mann, auch wenn er auf der Bettkante sitzt und hustet“. Was ein Quatsch. Der Herr im Haus hatte das Sagen, fasste Beschlüsse alleine, egal ob es um Anschaffungen ging oder die Ausbildung der Kinder. Viele Kinder wurden in Schulen oder Berufe gepresst, egal ob ihnen das lag. Papa hat’s beschlossen. Ferdisch. Mutti surfe nur abnicken und fleißig sein.
Frauen dürften noch nicht einmal einem Beruf nachgehen, ohne das Einverständnis des Ehemanns. Oder gar ein Konto eröffnen, nix da.
Adenauer war Kanzler, Ehrhardt war Wirtschaftsminister. Im Kabinett war Elisabeth Schwarzhaupt die erste und einzige Ministerin, Kinder, Familie und Gesundheit, was sonst. Deutschland war zerteilt, in Sektoren. Zum Glück waren wir im richtigen Teil des Landes.
Als Kind in den Nachkriegsjahren auf dem Land aufzuwachsen, hatte was. Viel frische Luft. Alle Leute kennen sich, oder sind miteinander verwandt. Die Großstadt ist weit weg mit ihrem Trubel und den neumodischen Sachen. Es fahren wenige Autos durchs Dorf. Wenn sich ein Fremder hierher verirrte, wusste bald jeder, wer das ist und was der hier will. Meist waren es Handlungsreisende, Vertreter, für Staubsauger, Versicherungen, Bekleidung, Haushaltswaren. Der Neckermannkatalog, oder der von Otto, brachten uns die Shoppingmeile ins Haus. Der Chef von Neckermann war auch noch Olympiareiter, immer chic mit Zylinder. Er sah seinem Pferd sehr ähnlich, das gleiche Gesicht.
Alles andere gab es im Dorf. Die Bauern lieferten die Lebensmittel. Milch, Eier und Kartoffeln holte man direkt beim Bauern, Gemüse auch, soweit man keinen eigenen Gemüsegarten hatte. Der Metzger schlachtete noch selbst und verwurschtete  alles. Der Bäcker backte das Brot in der Frühe. Für den Rest gab es einen kleinen Laden. Die hatten die Butter, Waschpulver, Nähzeug, Wolle, Hosengummis und Süßigkeiten. Mehr brauchten man nicht. Wir waren autark. 

Als ich eingeschult wurde, musste ich das warme Nest zu Hause verlassen. Als Einzelkind war ich immer der Mittelpunkt und behütet, ich musste mich keinen Geschwistern anpassen und konnte meine Großeltern herumschicken. Es gibt da ein Kinderlied : ,,diese Oma, die ist meine, kann ich hüpfen lassen wie und wo ich will‘‘. Genau das hab ich gemacht. Meine Oma war immer mit irgendwas zu essen oder einem Glas Milch hinter mir her. Das arme Kind ist zu dünn. In jede Speise wurde ein Extralöffel Butter reingeschummel. Das war der Grundstock für meine spätere Rubensfigur. Mein Opa ist auch nach meiner Pfeife gesprungen aber nicht so offensichtlich. Ihm habe ich mich freiwillig angepasst, um immer dabei zu sein, wenn er unterwegs war. Oft sind wir an einem Wasserhäuschen ( für Nichthessen, das ist ein Kiosk ) vorbeigekommen und Opa musste der Frau kurz was helfen ........Ich bekam die Wartezeit mit Ahoibrause und Butterfinger, oder einem Mickey Mouse Heft verkürzt. Die beiden haben schwer geschafft, innen im Wasserhäuschen, die haben immer viel gestöhnt und geächzt. Einmal hab ich das Oma erzählt, da hat die komisch geschaut. Danach sind wir da gar nicht mehr hingegangen. Keine Brause, keine Butterfinger mehr, schade.

Morgen geht es weiter

 Freitag, 06.03.2026, Bremerhaven,  Unglaublich diese Stadt, die eigentlich nur Hafen sein sollte, aber die Architektur ist sehr schick.